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rbbonline | Ausstellungen


Berlin, 1911. Für den Film "Der Totentanz" mit Asta Nielsen in der Hauptrolle ist der Kameramann Guido Seeber auf der Suche nach einem geeigneten Studiogelände. Eher zufällig kommt er nach Potsdam-Babelsberg und ist begeistert. Schon 1912 fällt die erste Klappe für "Der Totentanz", ein Stummfilm, der den cineastischen Grundstein legt für eines der ältesten Filmstudios der Welt. Das Filmmuseum Potsdam blickt nun zurück auf 100 Jahre Film in Babelsberg.
Es muss ein Kampf gewesen sein, diese Ausstellung zu gestalten. Seit der Gründung des Studios sind immerhin mehr als 3000 Filme entstanden. Darunter Meilensteine wie "Metropolis" und "Die Nibelungen" und Defa-Klassiker wie "Paul und Paula". Heute geben sich Hollywood-Größen wie Quentin Tarantino und Roman Polanski die Klinke in die Hand. Wo soll man also anfangen? Was kann man weglassen? Was darf in keinem Fall fehlen? Den Machern hat es sicher so einige Male das Herz gebrochen, wenn sie eine Requisite streichen mussten.
Casting am FKK-Strand
Entstanden ist eine liebevolle, interaktive Ausstellung mit vielen überraschenden Details. Sie bildet die verschiedenen Phasen des Filmemachens ab, von der ersten Idee über Dreh und Schnitt bis zur Premiere - jede Phase eine eigene Welt. Die Gestalter der Ausstellung haben insgesamt sieben kleine Themenwelten entworfen und jede mit viel Detailverliebtheit ausgeschmückt. Am Anfang – in der Ideenschmiede – kann der Besucher Drehbücher durchblättern und hören, warum manche davon nie verfilmt wurden. Ein anderer Themenraum, "Mimen und Masken", überrascht mit bisher unentdeckten Castinggeschichten: Wie Renate Krößner zu "Solo Sunny" wurde und dass Angelica Domröse am FKK-Strand entdeckt wurde.
An dieser Station zeigt die Ausstellung auch eines ihrer schönsten Exponate: eine kleine schwarze Puppe mit buntem Bastrock und wuscheligem Haar. Die Geschichte dahinter: Regisseur Josef von Sternberg verliebte sich 1929 bei einem Dreh in seine Hauptdarstellerin, die Puppe schenkte er ihr als Glücksbringer. Die Dame hieß Marlene Dietrich, der Film "Der Blaue Engel". Über Nacht wurde die Dietrich weltberühmt und ihren Glücksbringer hatte sie fortan immer dabei.
Eintrittskarte von 1924
Die Ausstellung mischt Exponate und Dekorationen. Denn von den echten Kulissen und Requisiten bleibt oft nicht viel übrig. Quentin Tarantino zum Beispiel hat nach den Dreharbeiten zu "Inglourious Basterds" fast alles verbrannt. Eine kleine nachgebaute Kulisse steht nun im Filmmuseum, die obligatorische Kunstblutpfütze inklusive. Gleich daneben das "Paul und Paula"-Bett und der sagenhafte "Nibelungen"-Wald.
Gut, dass nicht alle Regisseure und Schauspieler so wahnsinnig sind wie Tarantino. So sind auch viele Originale für die Ausstellung übrig geblieben: ein Toupet von UFA-Star Hans Albers, Asta Nielsens Totenmaske, ein Kleiderbügel von Ilse Werner. Auch um Eintrittskarten haben sich die Ausstellungsmacher bemüht. Ein Original von 1924 berechtigt zum Besuch von "Die Nibelungen", eine andere ist für die Premiere von "Paul und Paula" im Berliner Kosmos Filmtheater.
Einmal Gojko Mitic sein
Neben Gucken und Staunen bietet die "Traumfabrik" auch Interaktives: Wer die eigenen Schauspieler-Qualitäten testen möchte, kann in einer Casting-Box vorsprechen. Die erinnert ein wenig an Fotoautomaten, mit Monitor, Hocker und Vorhang. Vier Filme stehen zur Auswahl, im Monitor läuft der jeweilige Text. Noch schnell die Requisiten übergestülpt und los geht’s. Castingshow im Kleinformat sozusagen. Der Clou: Eine Kamera filmt das Vorsprechen, der Gecastete wird danach sofort in den Originalfilm eingefügt, zum Beispiel als Indianerhäuptling an der Stelle von Gojko Mitic. Per Mail kann man das Meisterwerk dann verschicken. Und im Anschluss gleich noch Filmausschnitte mit verschiedenen Musiken und Geräuschen untermalen. "Solo Sunny" zur Abwechslung mal mit Horrormusik? Zugegeben, die meisten Ergebnisse sind zum Lachen, aber das macht schließlich am meisten Spaß.
Stefanie Brockhausen
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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