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Pergamon-Ausstellung in Berlin (Foto: dpa)

Bis 30.09.2012

"Pergamon - Panorama der antiken Metropole"

Auf dem Pergamonaltar brennt ein Feuer. Es ist ein warmer Frühlingstag im Jahr 129 n. Chr., in der antiken Stadt strömen die Menschen zu einem Fest zu Ehren der Götter. Man hört einsame Panflöten und zirpende Zikaden, dann Raunen in der Menschenmenge.

Der Berliner Künstler Yadegar Asisi versucht mit einem spektakulären Panorama in 3-D, den Betrachter ins antike Pergamon zu versetzen. Sein 25 Meter hohes und 103 Meter langes Rundbild ist die erste Station der Ausstellung "Pergamon – Panorama der antiken Metropole" im Berliner Pergamonmuseum auf der Museumsinsel in Mitte. Die Schau präsentiert 450 zum größten Teil noch nie gezeigte Exponate aus den Beständen der Berliner Antikensammlung sowie zahlreiche Leihgaben aus internationalen Museen.

Echte Verständnishilfe oder nur buntes Antiken-Kino?

Innenansicht mit Feuer auf dem Pergamon-Altar (Quelle: rbb / Kathrin Schlieter)

Detailausschnitt des Pergamon-Altars 

Asisis farbenprächtige Antiken-Illusion vor dem altehrwürdigen Pergamon-Museum – diese Kombination ist ein Experiment, wenn auch eines mit Tradition: Schon 1886 erwies sich ein Pergamon-Panorama in Berlin als Publikumsmagnet und machte die archäologischen Funde bekannt. An diesen Erfolg wollte das Museum wohl anknüpfen, als es den Künstler zur Zusammenarbeit einlud. Asisis bisherige "Panometer" wie etwa "Dresden 1765" oder "Rom 312", zogen Millionen Besucher an.

Doch die Kuratoren wollten über die Kooperation auch neuere Forschungsergebnisse möglichst vielen Menschen zugänglich machen. Darin zumindest sieht Yadegar Asisi den Grund, warum "ein Museum in dieser Kategorie sich mit jemandem wie mir einlässt."

Der Künstler montierte am Computer tausende von digitalen Fotos von Originalschauplätzen im heutigen Bergamo und von Exponaten aus der Ausstellung. Anschließend fügte er Fotos von Komparsen in historischen Kostümen ein, um das Stadtbild zu beleben. So weit möglich ist seine Darstellung wissenschaftlich abgesichert.

Wem Asisis Pergamon-Illusion jedoch zu bunt und zu perfekt ist, der kann sich in der Ausstellung an den zahlreichen Original-Exponaten mit Patina freuen. Viele dieser Stücke lagerten über 100 Jahre im Depot. Jetzt hat die Berliner Antikensammlung ihren Gesamtbestand der pergamenischen Skulpturen für fast 300.000 Euro restauriert. Man präsentiert sie auf dem neusten Forschungsstand und erklärt ihre Funktion in der Antiken Stadt, etwa als Schutzpatron oder öffentliches Denkmal. Eine Lichtinstallation simuliert Morgen- und Abendlicht und versetzt die zahlreichen Marmorstatuen damit optisch ins Freie zurück.

Die erste Kunstsammlung der Welt

'Sterbender Gallier' (Quelle: rbb / Kathrin Schlieter)

"Sterbender Gallier" aus der Abguss-Sammlung der FU Berlin 

Die Schau zeigt Pergamon als blühende Stadt mit Theater, Gymnasien, Märkten und Banken. Aus dem angrenzenden Gebirge wurde es über eine Druckwasserleitung mit frischem Quellwasser versorgt. Die Stadt war königliche Residenz und zugleich griechische Polis mit ziviler Verwaltung.

Zu sehen sind auch einige Werke aus der ersten Kunstsammlung der Welt – sie wurde von den pergamenischen Herrschern eingerichtet. Die Gallierfiguren aus den so genannten Attalischen Weihgeschenken gehören zu den berühmtesten Keltendarstellungen der antiken Kunst. Sie entstanden nach dem Sieg der Pergamener über ihre keltischen Feinde und untermauern das antike Barbarenklischee.

Auch viele Bauten und Denkmäler dienten der Verherrlichung Pergamenischer Siege, wie etwa das Athena-Heiligtum. Neben der Schutzheiligen der Stadt wurden aber auch Zeus, Dionysos und die alte anatolische Muttergottheit Kybele angebetet. Im Asklepios-Heiligtum entwickelte sich dagegen ein reger Kurbetrieb. Mit Thermen, Lichttherapie, Theater und anderem Amüsement entstand hier ein Baden-Baden der Römerzeit.

Rückgabeforderungen aus der Türkei

Das Pergamon-Museum sah sich in den letzten Jahren mit Rückgabeforderungen konfrontiert. Im Sommer musste die bekannte Sphinx von Hattuscha an die Türkei zurückgegeben werden. Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang einige türkische Originaldokumente, die hier erstmalig gezeigt werden. Damit will man belegen, dass die Aufteilung der Funde zwischen Deutschland und der Türkei durch offizielle Verträge geregelt war, die damals auch von der gesamten türkischen Bürokratie abgesegnet wurden.

Zum berühmten Pergamon-Altar, der jedes Jahr über eine Million Besucher anzieht, gelangt man erst am Ende des Rundganges. Yadegar Asisi hat das in Fragmenten erhaltene Nordfries des Altars digital vervollständigt. Sein nachbearbeitetes Fries hängt jetzt als große Kopie neben dem Altar – zum Vergleich. Doch nach so viel antiker Perfektion gleich am Anfang der Ausstellung tun die Leerstellen im Original auch wieder gut. Sie bieten Raum für Fantasie: vielleicht war ja damals manches doch ganz anders, als wir es uns heute vorstellen.

Kathrin Schlieter

Stand vom 29.09.2011

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 29.09.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

MEHR INFOS

30.9.2011 bis 30.9.2012

Die Göttin Athena im Kampf gegen den Giganten Alkyoneus Ostfries des Pergamonaltars, 180-160 v. Chr. © Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Johannes Laurentius

Ausstellung

"Pergamon - Panorama der antiken Metropole"

Das Pergamonmuseum zeigt die erste umfassende Ausstellung zum antiken Pergamon - auf der Berliner Museumsinsel. [Kulturradio]

Quiz

Innenrund im Pergamonpanorama aus der Froschperspektive (Foto: Tom Schulze)

Asisis Panorama-Schau in Berlin

Gewinnspiel zur Ausstellung

Auflösungs des Gewinnspiels um Eintrittskarten und Kataloge für die Ausstellung im Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel. [Quiz]

Service

Pergamon Altar, Pergamon Museum Berlin

Wann? Wo? Wieviel?

Pergamon - Panorama der antiken Metropole

Informationen zu Öffnungszeiten, Tickets und Führungen. [www.smb.museum]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/ausstellungen/themen/2011/Pergamon.html

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