rbb Fernsehen

rbbonline | Service | Gesundheit

Zibb
Zibb

Di 21.02.12 18:30

Service

Ernährung bei Krebs

Morgen beginnt im Berliner ICC der Deutsche Krebskongress. In Deutschland erkranken jedes Jahr bis zu 450.000 Menschen an Krebs.

Für sie ist die Ernährung besonders wichtig, um ihren Körper im Kampf gegen die gefährliche Krankheit zu unterstützen. Doch welche Lebensmittel eignen sich für Krebspatienten, welche nicht? Und kann man mit der Ernährung das Fortschreiten der Krankheit aufhalten?

Gerade in der Anfangszeit verlieren Krebspatienten oft extrem an Gewicht. Dadurch wird der Körper noch mehr geschwächt und eine Heilung verhindert. Die Ursache ist Appetitlosigkeit und starke Übelkeit durch Chemo- und Strahlentherapie. Krebspatienten haben aber einen erhöhten Kalorienbedarf, da der Tumor von innen zehrt. Daher müssen gerade sie nährstoffreich essen, was vielen aber schwerfällt. "Ganz zu Anfang gilt: Hauptsache, der Patient nimmt überhaupt etwas zu sich", sagt Ernährungsexpertin Vera Spellerberg. Wenn der Betroffene Lust auf Kekse oder Gummibärchen hat, sei das erstmal auch okay. Wichtig ist, die Muskulatur durch viel Eiweiß zu erhalten. Gute Eiweißquellen sind zum Beispiel Soja, Geflügelfleisch, Eiweißshakes. Geeignet sind auch Bananen- oder Mangoshakes. Bei Übelkeit hilft Milchreis oder Kartoffelpüree mit Butter. Das ist leicht verdaulich und dennoch nahrhaft.

Zitrusfrüchte, Ananas etc. haben oft zuviel Säure, die Krebspatienten nicht so gut vertragen. Oft können Patienten am Anfang auch Weißbrot besser verdauen als Vollkorn. Besser als drei große Mahlzeiten am Tage werden mehrere kleine vertragen. Pürierte Gemüse-Suppe ist für viele Patienten zum Beispiel bekömmlicher als bissfestes Gemüse.

Die Chemotherapie ist eine massive Belastung für den Körper. Um ihn danach zu entgiften, sollte man verstärkt zu Milchsäure, Kefir, Buttermilch, Sauerkraut und Omega 3-Fettsäuren greifen. Omega 3-Fettsäuren kommen vor allem in Fisch wie Lachs und Makrele vor. Man kann aber auch zu Omega 3-Kapseln aus der Apotheke greifen.

Immer wieder hört man von Krebsdiäten. Doch daran ist laut Vera Spellerberg nichts dran. Auch die Deutsche Krebshilfe sagt dazu: „Nach allem, was die Wissenschaft heute weiß, gibt es keine Ernährungsform, mit der sich eine Krebserkrankung gezielt heilen lässt." Auch Fasten, um den Tumor „auszuhungern", sei Unsinn.

EPIC-Studie

Ob sich durch die Ernährung das Risiko der Entstehung von Krebs mindern lässt - diese Frage beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrzehnten.
1992 begann die weltweit größte Studie zum Einfluss von Ernährung auf Krebs. An der sogenannten EPIC-Studie nehmen über eine halbe Million Menschen aus zehn europäischen Ländern teil. Sie geben regelmäßig Auskunft über ihre Ernährung, vor allem wie viel Obst und Gemüse sie essen. Alle zwei Jahre werden sie nach Erkrankungen befragt. Auch das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke beteiligt sich an der Studie. Die Nachbeobachtungszeit läuft dort noch bis 2014.

Die wichtigsten Ergebnisse bisher:

Obst und Gemüse bieten weniger Schutz vor Prostata- und Brustkrebs als erwartet. Ein direkter Zusammenhang konnte nicht nachgewiesen werden. Allerdings gilt Übergewicht als ein wichtiger Risikofaktor bei Brustkrebs.

Anders sieht es bei Darmkrebs aus. Einige Studienergebnisse deuten darauf hin, dass eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse das Risiko mindert, an Darm- oder Speiseröhrenkrebs zu erkranken, während der häufige Verzehr von Wurst und rotem Fleisch es erhöht.

Raucher, die täglich rund 500 Gramm Obst zu sich nehmen, haben ein um 40 Prozent verringertes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken als Obstverächter.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass in den westlichen Ländern rund 30 Prozent aller Krebsfälle auf ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zurückzuführen sind. Beeinflussbar durch Gewicht, Bewegung und Ernährung ist das Risiko für Krebsarten, die in Deutschland mit an der Spitze der Tumorstatistiken stehen, zum Beispiel Dick- und Enddarmkrebs oder Brustkrebs.

Der deutsche Krebsforscher Dr. Johannes F. Coy entdeckte ein bestimmtes Gen, das Krebszellen aggressiv werden lässt. Ursache dafür seien Gärungsprozesse, für die ständig große Mengen Zucker notwendig sind. Dr. Coy empfiehlt daher, weniger Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln, Zucker, Weißmehl und Reis zu essen. Geeignet seien etwa Produkte aus Dinkelvollkorn statt Weißmehl.

Deutscher Krebskongress mit Aktionstag

Der Deutsche Krebskongress beginnt am 22. Februar 2012. Am Samstag, 25.2. findet der Krebsaktionstag statt. Diese größte deutsche Publikumsveranstaltung zum Thema Krebs findet alle zwei Jahre im Rahmen des Deutschen Krebskongresses statt. Der Krebsaktionstag bietet für Patienten und deren Familien die Chance, sich umfassend und verständlich über den neuesten Stand der Krebsforschung, Therapieoptionen und der Vermeidung von Krebserkrankungen zu informieren.
Der Eintritt ist frei. Beginn ist um 9.30 Uhr im ICC Berlin.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 21.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Deutsche Krebshilfe e.V.:

Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe
Dr. Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung
Mildred Scheel Kreis e.V.
Buschstr. 32
53113 Bonn
Telefon: 02 28/7 29 90–0

Berliner Büro
Koordinierungsstelle für Fragen der
Gesundheits- und Forschungspolitik
Friedrichstr. 55
10117 Berlin
Telefon: 0 30 / 2 12 22 38-3


www.krebshilfe.de

Deutsche Krebsgesellschaft:

Mehr Informationen zum Thema "Krebs und Ernährung".

www.krebsgesellschaft.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/zibb/service/gesundheit/ernaehrung_bei_krebs.html

Fenster schließen!